München – Mailand Alpenüberquerung 2011
highlights: münchen, ammergauer alpen, hahntennjoch, reschenpass, stilfser joch, passo di foscagno, focola di livigno, san bernadino pass, maloja pass, comer see, mailand
dienstag, 21.06.2011
start gegen mittag in münchen, direkt in der arbeit. ich beeindrucke die kollegen schon am morgen mit radloutfit – zumindest diejenigen, die nicht mitfahren. zunächst kehren wir für die starthalbe nach stolzen 3 km im teutonia am olympiapark ein. wie zur strafe, anders kann man es nicht sehen, platzt bei der einfahrt mit lautem knall der schlauch eines rennrades. geht ja gut los. ohne weitere probleme lässt münchen uns los und es folgt das alpenvorland, bei bestem wetter folgt unschön hügel auf hügel. in murnau essen und bier, bekanntermassen die grundlage unseres erfolgs.
der anstieg nach ettal geht in die beine und gibt einen kleinen vorgeschmack auf das, was da noch kommen soll. es zieht sich, am schloss linderhof vorbei bis nach ammerwald, dem bmw-hotel mitten im wald. nach 6 stunden, 125 km und 1000 hm ist schluss für heute. wir geniessen alle den luxus eines einzelzimmers, ein traum.
mittwoch, 22.06.2011
blauer himmel, gutes frühstück, kein kater – besser kann ein tag nicht starten. nach endlosen diskussionen im vorfeld, ob und wie wir die geplante route schaffen können, passiert das einzig sinnvolle: wir fahren los. am plansee vorbei geht es nach reutte (800m) und nur leidlich gemütlich durchs lechtal. die erste passauffahrt kommt unter das velotraum, und der altbekannte rhythmus stellt sich ein. ich kenne mich und meinen körper, ich kurbele gleichmässig hinauf.
die rennradler sind uneinholbar weiter vorn, zunächst, müssen aber dann doch teilweise schieben, weil es zu steil wird. letzlich sind wir fast gleichzeitig oben, am hahntennjoch. oben heisst hier auf 1900m, das wird noch besser in den nächsten tagen. sonnenschein. anstrengende motorradlfahrer. nach rasanter abfahrt nudeln und bier in imst, dann weiter nach landeck. die eigentlich geplante fahrt über die pillerhöhe schenken wir uns – es wird die einzige abkürzung der tour bleiben.
bis nach nauders am reschenpass sind es noch 50 km und 700 hm. die rennradlerfraktion wählt den weg über die bundesstrasse mit tunneln bergauf – ist mir zu krass. ich fahre einen kleinen umweg durch die schweiz (ungefähr 25 m schweiz müssen durchfahren werden) und bin eine halbe stunde später in nauders. nach gut 10 stunden, 145 km und 2000hm. im hotel edelweiss vorzügliches essen, bezahlbares bier, und endlich keine einzelzimmer mehr…
donnerstag, 23.06.2011
die köngsetappe steht an, man merkt es, ich bin unruhig. am morgen ist gutes wetter, der reschenpass ist schnell erreicht, der halbversunkene kirchturm im reschensee schnell fotografiert. zwei pilger mit handwagen aus holland wollen nach rom laufen, in 3 monaten. viel glück. wir folgen dem bestens ausgebautem radlweg “via claudia augusta” bis nach prad am stilfserjoch. in der letzten bar des ortes (stilecht 70er) noch schnell ein weissbier, dann beginnen die nummerierten kehren (48 an der zahl) des aufstiegs zum stilfserjochs.
nach einer halben stunde essen wir nudeln und trinken, was wohl, bier. beim weiterfahren fängt es an zu regnen. noch 1500 hm und gute 20km, und es schüttet wie aus eimern. die rennradler sind nach vorn geprescht, ich fahre mein eigenes tempo, allein. die strasse gleicht einem wildbach, ich bin komplett durchnässt, durchstosse auf 2000m die wolken, nur um noch höhere zu erreichen. es wird kalt, ich muss mich konzentrieren. ich zähle die kehren: 20, 15, 10, 5, nur noch ankommen. nach 3 stunden bin ich oben auf 2700m. um mich herum schnee, temperaturen von 3 grad plus, starker wind und dauerregen. alles leicht kritisch hier, länger hätte es nicht dauern dürfen.
ich stürme die erstbeste kneipe und zittere 20 min vor mich hin, bin total ausgekühlt, kann kaum reden. diesmal gibt es sogar tee vor dem obligatorischem bier. letzlich sind alle oben, der regen wird schwächer, und nachdem wir alle verfügbaren klamotten übergezogen haben, stürzen wir uns in die nicht ganz so rasante abfahrt nach bormio (1200m). hier ist schluss, nach 90 km und 2200 hm. wir sind im plan und feiern das in der nächsten pizzeria. das wetter am nächsten morgen soll über den weiteren verlauf entscheiden: bei schlechtem wetter die luschentour im tal hinaus über tirano zum comer see, bei gutem wetter weiter im programm.
freitag, 24.06.2011
strahlender sonnenschein, also weiter, keine luschentour. wir sollen es nicht bereuen. durch valdidentro geht es hinauf richtung livigno. nach einer stunde kurze bier- bzw. colapause. heute läuft es gut, ich merke es schon auf den ersten metern. die höhenmeter fliegen dahin, auf dem passo di foscagno auf knapp 2300m geht es mir prima. ich weiss, dass ich es schaffen kann.
in livigno stelle ich mir eine calzone rein, was sich dann später auf dem anstieg zum focola rächt, es zwickt und zwackt. zudem hängt mir ein holländer mit seinem rennrad direkt am hinterrad und keucht schon arg. auf dem letzten kilometer überholt er mich – nichts da. ich bin deutlich schneller als er oben, allerdings bezahle ich diesen unsinn mit schwindel und magenkrämpfen. wir treffen viele radler, die das ganze ohne gepäck machen und sich das zeug mit dem auto hinterherfahren lassen. einige haben sogar mehrere hinterräder mit verschiedenen übersetzungen dabei. unnötiger schnickschnack in meinen, absolut notwendig in deren augen.
wir sind in der schweiz und treffen nach kurzer, schneller abfahrt auf die passstrasse zum bernina. ein letzter anstieg, 500hm, und wir stehen am berninapass. ab jetzt geht es nur noch bergab, dass weissbier am ospizio war das teuerste, aber auch das beste bzw. das notwendigste. die abfahrt nach sankt moritz ist zäh, wir haben gegenwind. dafür aber auch super ausblicke auf piz bernina, piz palü und morteratsch gletscher. in sankt moritz werde ich fast von so einem hirnlosen maserati-ferrari-porsche fahrer überfahren.
schnell weiter, nach maloja ist es noch ein ganzes stück, an silvaplana vorbei bei stetigem gegenwind. die abfahrt nach chiavenna in italien ist ein einziger traum: mit knapp 40 geht es, ohne zu treten, dahin. unten die erkenntnis: wir sind durch, durch die alpen. heute stehen 130 km und mehr als 2000 hm auf dem zähler. finito. morgen ist ausrollen. irgendwie schön. jedenfalls schöner als das hotel, und noch schöner als die 6 euro fürs weissbier. mailand schein nicht mehr weit. reset.
samstag, 25.06.2011
aua. an frühstück ist nicht ernsthaft zu denken. man unterschätze nie die wirkung von weissbier in kombination mit rotwein. ausrollen, ha. leichtfertig vergebener sieg. wir quälen uns los, bis zum comer see. der sieht schon gut aus, das muss man sagen. am rechten ufer geht es bei starkem verkehr richtung bellagio, da kann man per fähre hinfahren.
alles voller touristen, wir sind ja auch welche, aber offensichtlich anderer art. schnell weiter richtung lecco. wir essen zu mittag in einem tollen restaurant am see und gehen baden, dann wird es hart. es sind noch 60 km bis mailand und wir verfahren uns bisweilen. schon werden erste stimmen laut, man können doch den zug nehmen. aber irgendwie – es wäre nicht das gleiche.
es hieß münchen-mailand, also auf gehts. in monza haben wir es fast geschafft, und können ein einsteigen in den zug gerade noch verhindern. die einfahrt nach mailand war dann doch leichter als gedacht, und in einem dreckigen hotelhinterhof gibt es ein eiskaltes willkommensbier aus der flasche – nach 135 km und 800 hm. wir sind da. abends dann eher gemütlich, der letzte abend und die anstrengungen der tour stecken doch noch in den knochen. aber: schön wars!